Bis 1948 besaß die Brennerei keine fest angestellten Mitarbeiter. Stattdessen wurden Familienangehörige, die üblicherweise aus der Gegend um Padua kamen, mit der saisonalen Arbeit beauftragt. Vom Besitzer war es ihnen gestattet, sich in kleinen Gebäuden, die Teil der Firma waren, einzurichten, um ein Ar zu haben, auf dem sie arbeiten und leben konnten. Dieses Ar war ein zur Verfügung gestelltes Gelände, wo die ganze Familie, die Kinder eingeschlossen, daran arbeitete, Ziegelsteine zu produzieren und sie anschließend in der Sonne zu trocknen. Eine große Familie konnte mehrere Are haben und da sie Akkordlohn erhielt, versuchte sie so viel wie möglich zu produzieren. Schließlich dauerte die nutzbare Arbeitsperiode lediglich von März bis September und mit der Lohnsumme, die sie während dieser Zeit verdiente, musste sie das ganze Jahr über leben. So konnte es eine Familie von 5 bis 6 Personen schaffen, täglich bis zu 2000 Ziegelsteine zu produzieren. Die ersten einschneidenden Veränderungen geschahen im Jahr 1948, als das Arbeitssystem modifiziert und die ersten Maschinen erworben wurden: Zwei Ziegelmaschinen, durch die die Notwenigkeit entstand, festes Personal einzustellen. Im selben Jahr wechselte zudem das Entlohnungssystem der Arbeiter: Statt des Akkordlohns erhielten sie nun ein festes jährliches Gehalt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Brennerei zuerst von den Deutschen und anschließend von den Engländern besetzt. Die Produktion musste infolgedessen stillstehen. Die Deutschen respektierten die Familie und das Unternehmen, möglicherweise nicht zuletzt deshalb, weil die Fontis damals wie heute die Schweizer Staatsbürgerschaft besaßen und damit neutral waren.
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Überschwemmung
Vor der Überschwemmung waren in der Poebene sehr viele Industrieunternehmen angesiedelt: 12 Zuckerfabriken, 60 Mühlen, 2 Reisfabriken, 30 Käsereien, 3 Hanfspinnereien, 9 Nudelfabriken, 5 Schuhfabriken, 1 Papierfabrik, 45 Ziegelsteinbrennereien, an die 100 Metallpresswerke etc. Während der Überschwemmung erlitt dieser Industriesektor gravierende Schäden, da sehr viele der Firmen vom Wasser überschwemmt wurden und damit nicht nur die Produktion und der Export blockiert, sondern auch teure Ausstattungen zerstört wurden.
Auch die Brennerei wurde überschwemmt: Damals existierten nicht viele Kommunikationsmittel, aber zahlreiche Menschen wussten, dass die Dämme gebrochen waren, als sie das ankommende Wasser sahen.
Als das Wasser Grignano erreichte, waren die Öfen der Brennerei angeschaltet. Als die Arbeiter bemerkten, dass die angrenzenden Landschaften überschwemmt wurden, öffneten sie so schnell wie möglich, noch bevor sie ihre eigenen Wohnungen zu retten versuchten, die Ofentüren, um ein Explodieren des Ofens durch den Wasserdruck zu vermeiden.
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Nach der Überschwemmung erhielt das Unternehmen von der Bauaufsichtsbehörde eine Finanzhilfe von ca. 700000 Lire. Mit dieser Summe wurde der Ofen vom Schlamm befreit, die wenigen noch einsatzfähigen Maschinen wurden gereinigt und der Rest neu erworben.
Die erfolgreichste wirtschaftliche Entwicklungsphase der Firma waren die Jahre zwischen 1948 und 1961, als die Zahl der Anstellten mit 70 Arbeitseinheiten ihr Maximum erreichte.
Denn in dieser Zeit ließ man den Zweiten Weltkrieg und die Überschwemmung hinter sich, die Materialnachfrage war enorm und kam sogar aus entfernten Städten, wie Turin, Mailand und Bozen. Die Menschen wollten das, was sie durch den Krieg und die Überschwemmung verloren hatten, wieder aufbauen.
Heute hat die Brennerei Fonti die antike, aber immer noch wirksame Produktionsweise wieder aufgenommen und produziert unverputzte Ziegelsteine, die auf authentische Art und Weise handgefertigt werden, mit Spezialstücken unterschiedlicher Form und Größe, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden.
Dabei hat die Firma sich auf die Restauration antiker Fußböden und auf Dachdeckungen mit besonderem Augenmerk auf handwerkliche Ziegel und solartechnische Dachziegel spezialisiert. Letztere sind erst vor kurzem durch den Anspruch entstanden, die Kunst der Restaurierung mit den erneuerbaren Energien und deren Energieersparnis zu verbinden. Diese Produktion, die von spezialisiertem Personal ausgeführt wird, ist charakterisiert durch die typische Unvollkommenheit jedes handgefertigten Einzelstückes. Zudem sorgt die Holzkohlebrennung in einem traditionellen Hoffmann-Ofen bei dem Produkt für eine außergewöhnliche Farbgebung und eine dezente Polychromie (Vielfarbigkeit), die das Mauerwerk hervorhebt und jedem Bauwerk gewisses Prestige und Originalität verleiht.
